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ARMA 2 – GIGANTISCH & EIGENTLICH KEIN SPIEL MEHR

Review gepostet von Sir Uruk.Inc am 25.03.2010 um 21:45 Uhr
 
ARMA 2 Screenshots

Normalerweise scheiße ich auf die armselige Angewohnheit vieler Magazine und Redakteure, im Vorwort die Größe der Spielwelt, die Anzahl der Waffen und anderer Fakten hinzuschreiben. Ob ich jetzt 12 oder 13 Fahrzeuge, ob ich 14 oder 15 Waffen habe oder die Spielwelt 10 oder 12 Quadratkilometer groß ist – das sind nur Allgemeinplätze, gewöhnliche Fakten, die kein Schwein hinter dem Ofen herlocken. Versuchen wir es aber doch mal: 120 Fahrzeuge. 50 Dörfer und Städte. Offene, 225 Quadratkilometer große Spielwelt. Über 40 orginalgetreue Waffen.

ARMA 2 Screenshots
Auf ins Gefecht...
Eine nicht geskriptete KI, die komplett eigenständig agiert. So steht es hinten auf der Verpackung der nun veröffentlichten Black Edition [sprich: Die Standardversion inklusive aller Patches] von ARMA 2. Und wir können noch um so einiges mit den zahllosen, extrem professionellen Modifikationen zulegen: Tausende Waffen. Fahrzeuge. Karten. Multiplayerduelle ohne Ende. Die Bundeswehr? Bitte sehr, bitte gleich. Französische Truppen? Der Irak? Russland? Was auch immer gewünscht wird – hier kommt es. Wir haben uns nun durch das Hauptspiel gekämpft – und fragen uns erstens, wie gut das Ding ist und zweitens ob man hier noch von einem Spiel sprechen darf und kann.

Gigantisch!


ARMA 2 Screenshots
Zuallererst lassen wir eine Tatsache von der Leine und los: ARMA 2 von Entwickler Bohemia Interactive ist gigantisch. Riesengroß, teilweise wunderschön und so ambitioniert, dass mir die Worte ausgehen. Man hat nicht mehr und weniger getan, als Waffen, Fahrzeuge, diverse Fraktionen, und ein ganzes Land in ein Spiel zu packen. Allein das verdient Respekt. Und wenn man die allererste Tutorialmission startet, sich zurücklehnt, das Programm fertig geladen hat und die Landschaft den Bildschirm ausfüllt, dann ist man erschlagen. Man sieht Berge, Hügel, Häuser, einen Militärstützpunkt, Soldaten.

Alles ist in Bewegung, sieht realistisch aus und passt perfekt. Düstere Wolken, bröckelnder Putz, dichter Pflanzenbewuchs. Wildtiere. Soldaten. Wunderbar. Genauso wie die Hardwareanforderungen – wer alles auf maximalen Details inklusive einer Sichtweite von mehr als 10000 Metern genießen will, der muss schon mit einem Quadcore, 8 Gigabyte Arbeitsspeicher und am besten einem potenten SLI-Gespann rechnen. Was definitiv gelobt werden muss: In mittleren Details kommt man schon mit einer 8800GTS oder GTX und 2 oder 3 Gigabyte RAM zu akkzeptablen Ergebnissen. Wie gesagt – die Welt sieht klasse aus. Aber wir müssten zuallererst die Grundlagen lernen – und genau da dürfte das Desaster für den Gelegenheitsspieler beginnen.

ARMA 2 Screenshots
Fliegen macht Spaß...
80 Seiten ist das Handbuch dick – wo andere Shooter dem Anfänger teilweise grade mal 5 oder 10 Seiten mitgeben. Allein die normale Steuerung zu Fuß benötigt nicht nur die handelsüblichen WASD-Tasten, dazu Waffenauswahltasten, Maus und ein oder zwei Spezialtasten, sondern die Maus – klar – und 33 Tasten. Mehr als das Alphabet hat. Dazu kommt noch eine seperate Steuerung für Bodenfahrzeuge, eine für Luftfahrzeuge und einen ganzen Stapel weiterer Tasten für die Befehlserteilung. Ringmenü der Marke Operation Flashpoint 2 oder Rainbow Six Vegas für den sowieso schon geplagten Kommandeur? Pustekuchen. Sicher nicht. 30 und mehr Tasten für die Befehlsgebung.

Und wer bis hierhin gelesen hat, der dürfte auch schon eine Sache verstanden haben: ARMA 2 ist kein Spiel für zwischendurch. Oder für Leute, die die Realität mit Call of Duty vergleichen. Oder denen Battlefield zu schwer oder realistisch ist. Es ist ein Spiel für die Leute, die aus dem Gedächtnis 25 Standardfahrzeuge der Bundeswehr mitsamt allen technischen Details aufzählen können. Oder die den absoluten und totalen Realismus für Truppenbewegungen, Bürgerkriege im Allgemeinen und Waffenhandling im Speziellen suchen. Für die, denen normale und auch knackschwere Spiele auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad zu unrealistisch und leicht sind. Und die – nur meine Ansicht – niemals ernsthaft den Singlepalyer spielen, sondern nur online in die Schlacht ziehen wollen. Denn trotz massenhafter Patches: Der Singleplayermodus sorgt mit Sicherheit für Bissspuren in der Tastatur.

Großartig…


ARMA 2 Screenshots
Wald wie in der Realität
Wir bewegen uns leise vor, kriechen durch das hüfthohe Gras [das übrigens zu Boden gedrückt wird!]. Vor uns hören wir eine Bewegung. Willkommen in der fiktiven Ex-Sowjetrepublik Chernarus, in der gerade ein Bürgerkrieg tobt! Als Mitglied einer kleinen Aufklärungseinheit kriechen wir durch ein Dorf – genauer gesagt: Durch das Tutorial. Und ein kleines Dorf. Im Alleingang – anders als in der Kampagne, wo wir zuerst als Mitglied von Squad Razor in die Schlacht ziehen, dann zum Squadleader werden und am Ende ganz Chernarus erobern sollen. Allein oder als Kommandant der gesamten Armee. Egal – im Tutorial sind wir weit davon entfernt. Meine Mission: Ein paar Feinde allein im Häuserkampf ausschalten.

ARMA 2 Screenshots
Eine Stimme schreit irgendetwas auf Russisch – wir liegen bewegungslos neben einer verwitterten Mauer. Unser verdammtes Magazin ist leer. Ersatz gibt es nicht. Wohl aber locker noch 5 oder 10 Feinde, die nach mir suchen. Und jetzt hat man mich übrigens wohl auch gefunden – Kugeln schlagen mit fiesem Pfeifen direkt neben mir ein. Verdammt. Ich krieche langsam zurück, mein Soldat ist getroffen, stöhnt leise, während er langsam ausblutet. Viel Zeit haben wir nicht mehr, um die Mission zu beenden. So realistisch, so authentisch kann ARMA 2 sein.

Dazu ist die Geschichte um den Bürgerkrieg unglaublich gut eingefangen – ja, alle unsere Entscheidungen haben Konsequenzen, wie der Einsatz der USA als Weltpolizei gegen Bürgerkriegstruppen in der restlichen Welt ankommt. Ein Massengrab belastet die Soldaten unseres kleinen Razor-Squads – großartig. Übrigens nur dann, wenn wir ganz Beginn nicht das Dorf mitsamt Radarstation bombardiert haben, sondern unser Leben im Häuserkampf riskiert haben. Dazu sind die Gefechte teilweise unglaublich in Szene gesetzt – angefangen bei der Soundkulisse, der melancholischen Umgebung und den nach einem Gefecht brennenden Panzern inklusive kilometerhoher Rauchwolke. Und dann ist da die zweite Seite der ARMA-Medaille – womit wir unsere Tutorialgeschichte weiter erzählen müssen.

…Und reif für die Anstalt


ARMA 2 Screenshots
Ein Soldat steht da, sucht nach uns. Wir wechseln auf die Pistole, zielen millimetergenau auf seinen Kopf, drücken ab. Der Typ reagiert nicht. Er wurde getroffen, tut aber nichts. Schreckzustand? Panik? Keine Ahnung. Ich rolle mich auf die Straße, ziele nochmals - jetzt setzt er sich in Bewegung, rennt direkt auf mich zu – nicht vergessen.: Wir liegen angeschossen mit einer popeligen Pistole direkt auf der Straße! – und an uns vorbei. Kniet sich 10 Meter hinter uns hin, brüllt etwas auf Russisch. Tut nichts. Schockzustand – definitiver Schockzustand. Klar durch den Stress verursacht. Armer Kerl.

Ein weiterer Schuss aus unserer Pistole lässt ihn tot zu Boden gehen. Ist das realistisch? Ist das atmosphärisch? Nein. Es ist ein Totalversagen der KI – etwas, was man trotz voll aufgepatcher Black-Edition leider andauernd erleben muss. Soldaten – inklusive uns selber – melden Feinde in pechschwarzer Nacht durch Bäume und Scheunen – Stichwort erste Mission. Und das können die Feinde auch. Und so werden wir manchmal beschossen, ohne den Feind sehen zu können, weil der durch die Bäume auf uns ballert. In pechschwarzer Nacht. Und selbst in der Eröffnungsszene des Spiels – tapfere Soldaten verteidigen sich bis zum letzten Mann gegen eine Übermacht – sitzt einer der tapferen Männer mitsamt Scharfschützengewehr da und starrt mit dem Ding in eine Wand. Ganz klar: Die Künstliche Intelligenz ist oftmals komplett überfordert und damit ganz klar reif für die Anstalt.

Realität versus Spiel


ARMA 2 Screenshots
Kompliziert: Die Helikoptersteuerung...
Wenn man mich fragt: Eine Militärsimulation kann nicht realistisch sein. Sie kann nicht mit der Realität konkurrieren. Weil ein Bildschirm ein verdammter Bildschirm ist, und mit der Realität da draußen nichts zu tun hat. Weil es keinen Wind gibt. Keine Gerüche. In der Realität spürt man teilweise die Bewegung hinter einem – in einem Spiel geht das nicht. Man kann im Spiel die Truppenbewegungen simulieren. Man kann bis zu einem gewissen Grad das Waffen- oder Fahrzeughandling simulieren. Man kann bis zu einem gewissen Punkt die Optik der Realität – Stichwort: Gegenlicht, blendendes Licht, dichte Wolken oder Nebel – simulieren.

ARMA 2 Screenshots
Man muss aber auch Abstriche machen. Man kann als Entwickler keine 225 Quadratkilomter große Spielwelt nehmen, tausende und zehntausende einzelne Soldaten in Kompanien, kleinen Trupps und Squads reinsetzen. Man kann keine tausenden Zivillisten, Tiere und 50 Dörfer reinsetzen, und erwarten, dass die KI damit mehr oder weniger ohne Begrenzung klarkommt. Dass nicht irgendwo ein Truppentransporter versehentlich das menschliche Ziel einer der abwechslungsreichen Missionen überfährt, sodass eines der spärlich vorkommenden Skripte mit etwas Pech nicht ausgelöst wird.

Es wird und muss – und tut es natürlich deshalb auch – haarsträubende Fehler geben. Fehler in der Wegfindung. Fehler, die bei eigentlich einfachen Dingen wie dem Einsteigen in einen Panzer oder in einen Transporthubschrauber zum Tragen kommen. Und wenn man dasitzt, wartet, und kurz vor Ende der Mission draufgeht, da die verdammten Typen aus Squad Razor drei Minuten rund um den Helikopter herumhumpeln, und trotz klarer Befehle nicht einsteigen oder an einem Humvee hängenbleiben – dann kommt Frust und Wut auf.

PRO & CONTRA



  • Tolle Grafik, Weitsicht und teilweise auch Zerstörung
  • Umfangreiche, voll dynamische Kampagne
  • Extrem realistische Waffen, Fahrzeuge und Umgebung
  • Sehr große Multiplayer-Schlachten
  • KI agiert teilweise extrem stark
  • Man ist fast immer im Team unterwegs
  • Unzählige Modifikationen und riesige, extrem hilfsbereite Community
  • Sehr hoher Schwierigkeistgrad


  • Teilweise totales Versagen der KI
  • Wichtige Skripereignisse werden teilweise nicht, zu früh oder zu spät ausgelöst
  • Sehr hohe Hardwareanforderungen
  • Halbherziges Zerstörungssystem voller Inkonstistenz [Manche Gebäude unzerstörbar, andere wiederum komplett]
  • Tutorials bieten oft nicht genug Informationen, um mit der komplexen Spielstruktur klarzukommen
  • Glitches und Bugs
  • Man wird teilweise aus dem Nichts beschossen; Feinde wie Verbündete melden Feinde durch Gebäude oder undurchdringlichen Wald hinweg
  • Teilweise sehr viel Leerlauf - Stichwort: Unter Feindfeuer auf einen Hügel kriechen. Im Liegen. Ein paar hundert Meter. Viel Spaß.



Go online!
ARMA 2 Screenshots
Und warum kann ich trotz all der offensichtlichen Fehler, Unzulänglichkeiten [wir können nicht mal mit unserem Soldaten springen!] und manchmal haarsträubender KI doch jedem Militärfan das Spiel ans Herz legen? Weil es da draußen eine unglaubliche Moddingcommunity gibt. Weil es einen Editor gibt, mit dem man Einsätze ohne Ende bauen kann. Und weil es den Multiplayer-Modus gibt – mit einer Vielzahl an Servern, Spielmodi und auf Wunsch ganz Chernarus als Schlachtfeld. ARMA 2 ist eben sehr, sehr viel: Ein gigantischer Sandkasten. Eine Militärsimulation. Ein Programm voller Fahrzeuge, Waffen und mit – auf Wunsch – einem Realismusgrad, der selbst harte Shooterfans verzweifeln lässt. Man kann Spaß mit ARMA 2 haben – ohne Frage. Wenn alles funktioniert, wenn man bei Wunsch ein paar Mods lädt – wobei man komplett erschlagen wird, gibt es doch hunderte größere und kleinere Arbeiten: Von retexturierten Waffen und Fahrzeugen über ganze Texturpacks geht es über neue Armeen und Waffen, neue Fahrzeuge und Schlachtfelder sowie [Koop-]Missionen bis hin zu aufwändigen Total Coversions, die in den 2. Weltkrieg, den ersten Weltkrieg, die Kolonialzeit [!] oder auch in eine Realität führen, wie sie sich die Entwickler vorstellen. Kurz und gut: Wer ARMA 2 hat, der wird normalerweise sehr bald anfangen, online zu spielen. Und ehe er oder sie es sich versehen, wird er oder sie sich ein paar Mods runterladen – und wer wirklich vom ARMA-Virus befallen ist, der lässt sich trotz Bugs, fehlenden Rumgehüpfe und der einen oder anderen kleineren Unzulänglichkeit nicht mehr von ARMA 2 abbringen. Es ist eben ein Spiel für Fans. Militärfans. Das macht es gut – realistischer kann ein Spiel niemals mehr werden – abgesehen von Details und der Technik. Aber damit muss man leben.

Es ist nur eben aber kein Spiel für diejenigen, die Call of Duty als realistisch ansehen. Oder die, die den Hardcore-Modus von Battlefield: Bad Company 2 als schwer verteufeln. Und es ist eigentlich auch kein Spiel mehr. Es ist eine Militärsimulation. Eine großartige, dank Modifikationen unschlagbare Militärsimulation. Trotz Fehlern und Bugs in der Künstlichen Intelligenz. Es ist eben kein Spiel mehr, sondern eine Militärsimulation für Militärbegeisterte. Und darin ist ARMA 2 absolut unschlagbar.
geschrieben von Sir Uruk.Inc  

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