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Aber kann das Konzept wirklich aufgehen? Oder muss man sich panisch einschließen, die DVD verbrennen und auf Knien zum Spiele- und Shootergott um Vergebung einer elementaren, dafür umso schlimmeren Spielesünde beten? Wir haben die Antwort…
Wunderschöner Sauhaufen
Palmen wiegen sich im Wind, dichte Vegetation bedeckt jeden einzelnen Quadratmeter und wird vom Wind leicht hin und herbewegt. So schön ist es auf der Isla Trueno, wo leider ein oberfieser General sich zum Dikator aufgeschwungen hat, die Inselbevölkerung quält und ermorden lässt und dazu auch noch massenhaft Geld mit dem Anbau und Verkauf von allerfeinstem Kokain verdient. Sowas lässt natürlich die US-Regierung nicht zu – als Weltpolizist muss man eben ab und an den Bösewichten global in den Arsch treten. Da es sich aber wirklich schlecht machen würde offiziell einzumarschieren, werden nur ein paar Spezialeinsatzkräfte losgeschickt - die den bösen General einfach abschießen sollen. Damit sich das Regime schön selbst destabilisiert.
Klingt nach einem guten Plan – und einer wirklich nutzlosen Begründung, warum irgendwo blaue Bohnen fliegen. Kurz: Die Geschichte kann man sich sparen – brauchen tut man sie nicht, und spannend ist sie sowieso nicht. Zum Glück gestaltet sich das Spiel endlich mal etwas anders. Wir schlüpfen nämlich einen Großteil der Zeit in die Haut eines Scharfschützen, der sich eigentlich nur den Bösewicht per Kopfschuss vornehmen und dann wieder heim will. Hätte, wollte, möchte – das Leben ist weder Ponyhof noch Wunschkonzert, deshalb geht der Anschlag gründlich schief und wir dürfen dem Bösewicht nachjagen. Als Scharfschütze. Meistens. Durch den Dschungel.
Scharfschützenfreuden auf der Insel...
Scharfschützen werden in Online-Titeln immer angefeindet. Und überhaupt – macht so was eigentlich Spaß? Immer nur im Gebüsch liegen, ab und an einen Feind ausschalten? Ehrliche Antwort: Ja. Das Fadenkreuz bewegt sich leicht auf und ab, wir sehen auf die Pulsanzeige. 80. Gut. Vierhundert Meter weiter stehen zwei Wachen. Kurz warten, über den Kopf zielen, abdrücken. Die Kugel jagt los, schlägt kurze Zeit später exakt in den Kopf einer der Wachen ein. Als Belohnung gibt es für diesen Kopfschuss eine sytlishe Kamerafahrt, die die ehrfurchtgebietende Kraft der Kugel beim Einschlag wunderschön darstellt. Eigentlich wäre das damit auch ein gutes Spiel.
Aber erstens gibt es zu viel unrealistischen Schnickschnack – bis auf den höchsten Schwierigkeitsgrad können wir so zum Beispiel genau sehen, wo die Kugel einschlagen wird. Und darüber hinaus hat unser Scharfschütze eine immer verfügbare Bullettime.
It fucking sucks!
Zweitens müssen sich Scharfschützen leider ab und an – in unschöner weil beständiger Regelmäßigkeit - durch den weiten Dschungel bewegen, die Position wechseln und von A nach B gelangen. Die Levels sind schön, sehen realistisch aus und die Musikuntermalung passt. Klingt doch gut? Ja, wer in Crysis gerne herumgeschlichen ist, wird auch hier seine Freude haben. Aber nicht lange – Feinde bemerken uns nämlich erstens blitzschnell, und schießen zweitens ungefähr so zielsicher wie Aimbotter. Und unsere Lebennsenergieleiste – die sich zum Glück selbständig immer bis 30 Prozent auffüllt – verträgt nur drei oder vier Treffer.
Und genau das ist der Moment, wo man schnell wütend losschreit: Wie konnte der Typ mich mit einem Sturmgewehr auf 200 Meter ohne Zielfernrohr mit vier Schüssen in weniger als einer halben Sekunden hinrichten? Obwohl ich gut versteckt im Blattwerk lag? Obwohl ich Tarnkleidung trage? Es heller Tag ist und er nichtmal das Mündungsfeuer gesehen haben dürfte, da die Sonne in meinem Rücken ist? Was zur Hölle?! Fuck you.
Die Leiden des Scharfschützen
Darüber hinaus gibt es noch ein paar weitere nervige Momente: Wenn man aus dem Nichts beschossen wird. Na ja, nicht direkt aus dem Nichts. Aber die Kombination aus dichtem Dschungel, weitläufigem Level und bis zum Kopf im Holzverschlag hereingeglitchten Gegner ist einfach nicht empfehlenswert. Oder der versuchte Plan, etwas Call of Duty ins Scharfschützenvergnügen zu bringen. Da sollen wir plötzlich allein ein Dorf von Feinden befreien. Im Nahkampf. Prost Mahlzeit. Noch lächerlicher wird der Moment, wo man uns im Bug eines Bootes positioniert und dann gleich nacheinander zwei Dörfer angreift. Klar, dass wir natürlich die Feinde ausschalten dürfen.
Das hat mit dem Spielen eines Scharfschützen nichts zu tun. Das ist Call of Duty – aber für Arme, die leidensfähig sind. Es geht ja auch besser. In einer Mission können wir uns in einen Konvoi einschleichen und einfach mitfahren – oder alle Gegner umpusten. Und zu Fuß gehen. Wie gesagt: Es geht eben auch in gut. Aber die Entwickler bei City Interactive nutzen diese tollen Möglichkeiten und die sich bietende Chance nicht aus.
Call of Sniper
Und wer meint, dass man nicht noch mehr verbocken kann – falsch. Wie wäre es mit einem Sturmangriff auf eine Bohrinsel? Natürlich ist Call of Duty geil, ja. Und das “Breach and Clear“-Feature, wo man eine Tür eintritt, die Zeit sich verlangsamt und wir ein paar Feinde ausschalten müssen, ist gar nicht mal schlecht. Nur die kurze Lebensenergieleiste in Kombination mit der anscheinend schwachen Treffererkennung unseres Sturmgewehrs – und zweier Mitstreiter, die uns nur im Weg rumstehen, nichts treffen oder einfach mal knallhart einfach einfrieren! – sorgt wieder für Frust.
Überhaupt: Warum machen wir was? Wen müssen wir da erschießen? Warum? Warum sieht der Regen so aus, als ob man das Bild mit Vaseline bestrichen und dann kräftig durchgerührt hätte? Warum sehen Explosionen und Feuereffekte wie aus dem Jahr 2002 importiert aus? Warum erscheinen Feinde wie importiert und nicht abgeholt urplötzlich und obertödlich in unserem Rücken? Und warum gibt es immer wieder Bugs die teils spielentscheidend sind? Man wird durch Wände beschossen.
Feinde können uns nach den Gesetzen des menschlichen Auges nicht sehen, tun es aber trotzdem. Teilweise kann man nicht über einen kleinen Stein [!] auf dem Weg hinweg ohne zu hüpfen. Kombinieren wir das mit der immertreffenden KI, der kurzen Lebensenergieleiste und erkennen wir dann, dass das frustrierend sein kann. Zum Glück gibt es eine Autosave-Funktion und viele Checkpoints – die lindern den Frust. Und das Grundprinzip – Headshot an Headshot setzen – macht ja Spaß.
PRO & CONTRA
- prächtige Dschungelkulisse
- ordentliche Spielzeit
- coole Headshot-Minivideos
- Gegner sind immer eine Herausforderung.
- Gegner erwischen einen oft, wenn sie es nicht können dürfen.
- Regen und Explosionen sehen wirklich mies aus.
- unsichtbare Levelgrenzen, Bugs
- drei Zentimeter hohe Steine, oder normal hohe Treppenstufen, die man nur durch Hüpfen überqueren kann
- Feinde glitchen sonstwohin
- "Call of Duty"-Anleihen, die nicht funktionieren
- Man. R.I.P. Ist. R.I.P. Viel. R.I.P. Zu. R.I.P. Schnell. R.I.P. Tot. R.I.P. Auch. R.I.P. Wenn. R.I.P. Man. R.I.P. Nicht. R.I.P. Entdeckt. R.I.P. Hätte. R.I.P. Werden. R.I.P. Dürfen. R.I.P.
Sniper: Ghost Warrior ist kein schlechtes Spiel. Man wird die etwa 8 Stunden dauernde Kampagne dank verschiedener Schwierigkeitsgrade und folglich wechselnder Hilfen sicher gut gefordert und nicht schlecht unterhalten. Das Problem aber: Nicht schlecht ist auch nicht gut. Es ist – kurz und gut – ein Spiel, das bedeutungslos ist. Man braucht es nicht gespielt zu haben. Realismusfans lässt sich ARMA II ans Herz legen, Actionfans Battlefield Bad Company 2 und der Rest spielt sowieso Call of Duty. Man wird auf der Isla Trueno ein paar schöne, wenn auch teils mit Frust durchsetzte Stunden erleben, viele Kopfschüsse verteilen, die in Endlosschleife laufende - gar nicht mal so schlechte - und ab und an wechselnde Musik hören und durch den Dschungel schleichen. Und ballern. Man wird sich fragen, warum man nicht einfach ein bisschen weniger versuchtes Krachbumm- und ein bisschen besseres – und vor allem zur Spielmechanik und dem Gameplay passendes – Missionsdesign versucht hat. Am Ende kann man sich das Spiel kaufen – wenn man es keine anderen guten Shooter mehr gibt. Was im jahr 2010 nicht der Fall ist. Ansonsten aber muss man ganz ehrlich sagen: Ja, es ist ein Fortschritt zu den früheren Spielen des polnischen Entwicklers. Aber ein gutes Spiel? Nein.
Sniper: Ghost Warrior ist einfach nur bedeutungslos und ganz schön. Kurz: Etwas, was man nicht braucht, aber womit man garantiert seinen Spaß haben kann..
Sniper: Ghost Warrior ist einfach nur bedeutungslos und ganz schön. Kurz: Etwas, was man nicht braucht, aber womit man garantiert seinen Spaß haben kann..
geschrieben von Sir Uruk.Inc
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