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SPIDER-MAN: EDGE OF TIME - DIE ZEITREISE IM TEST

Review gepostet von Green Ninja am 18.10.2011 um 16:00 Uhr
 
Wenn ihr einen Beweis dafür sucht, dass jährliche Fortsetzungen einem Franchise nicht gut tun, wir haben ihn gefunden. Nach dem überraschend guten Shattered Dimensions liefert uns Beenox schon ein Jahr später einen Nachfolger. Spider-Man: Edge of Time legt einen größeren Fokus auf die Story, vernachlässigt dabei aber so ziemlich alles andere.


Great Scott!


Spider-Man ist tot. Und das ist nicht alles. Ein Wissenschaftler aus dem Jahre 2099 reist zurück in die 1970er Jahre um sein Unternehmen Jahrzehnte früher zu gründen. Die Folge: Die Welt wie wir sie kennen steht unter den Fitichen des Megakonzerns Alchamax. J. Jonah Jameson hat eine Late Night Talkshow und Peter Parker a.k.a. The amazing Spider-Man, arbeitet nicht mehr als Reporter, sondern für Alchamax.

Kurz bevor es jedoch zu dieser schicksalhaften Zeitreise kommt, schafft es Miguel O’Hara, der Spider-Man des Jahres 2099, mit Peter in Kontakt zu treten. In den Wirren der Zeitverschiebung hat O’Hara nämlich Peters Tod durch die Hand von Anti-Venom gesehen und ein Ende für Spider-Man in der “Vergangenheit” würde auch seine Existenz beenden. Jetzt müssen beide Spider-Men zusammen arbeiten um alles wieder richtig zu stellen.

Neue Bilder zu Spider-Man: Edge of Time.
Spider-Mans letzter Kampf



Im Gegensatz zu Shattered Dimensions, welches die Geschichte um dimensionssprengende Überartefakte nur als Entschuldigung benutzt hat um 4 Netzschwinger in ein Spiel zu werfen, legt Edge großen Wert auf die Story, die sich im Laufe des Spiels stetig neu entwickelt.
Handlung und Dialoge stammen übrigens aus der Feder von Comic-Autor Peter David, Co-Creator von Spider-Man 2099 und Autor für Serien wie Babylon 5 und Young Justice.

Die Dialoge zwischen Peter und Miguel sind der echte Höhepunkt des Spiels. Wie sich zwei Spider-Men gegenseitig die Sprüche um die Ohren werfen ist wirklich köstlich, aber es sind die ernsteren Momente in denen das Spiel brilliert. Während Miguel versucht Spider-Man vor seinem frühzeitigen Tod zu bewahren, bricht Peter sofort zum Ort seines angeblichen Todes auf, weil der dort wütende Anti-Venom sonst vielleicht jemand anderen verletzen könnte. Spider-Man kann es nicht verantworten tatenlos zu zusehen wenn Menschen in Gefahr sind und wenn Miguel das nicht versteht, dann “hat er kein Recht sich Spider-Man zu nennen”. Es sind diese Szenen in denen klar wird, dass Peter David den Charakter wirklich versteht. Zumindest bis zu einem (für mich) völlig unnachvollziehbaren Twist im letzten Drittel des Spiels.
Außerdem ist das Spiel teilweise so vollgestopft mit Techno-Geschwafel um die ganze Zeitreisegeschichte und die Zukunftstechnologie zu erklären, dass sogar Geordi von der USS Enterprise rot werden würde.
Dennoch ist das Skript von Edge of Time seine größte Stärke.


Won’t do whatever a Spider can


Neue Bilder zu Spider-Man: Edge of Time.
Netzschwingen ist nicht annähernd so lustig wie es hier aussieht
Ich neige dazu einem Lizenz-Spiel so einige Fehler zu vergeben, wenn es dafür den Geist der Vorlage richtig einfängt. Captain America: Super Soldier war so ein Fall, in dem minimalistische Akrobatik und technische Schnitzer durch ein passendes Setting und einem wirklich tollen Kampfsystem wieder wett gemacht wurden.
Wie ihr euch möglicherweise schon gedacht habt, verzichtet Edge of Time erneut darauf dem Netzschwinger seine einzigartige Art der Fortbewegung richtig umzusetzen. Ihr könnt euch mit der Netzleine wie in Shattered Dimensions an bestimmten Punkten hin und her ziehen und auch durch die Level schwingen. Aber tut euch selbst einen Gefallen und seht nicht nach wo der Faden hängt. Dabei fühlt sich das Schwingen sogar unspektakulärer an als im letzten Spiel. Einmal abgesehen davon, dass es nur wenig Räume im Spiel gibt in denen man sich wirklich austoben kann, kam es mir auch eine Ecke langsamer und unbeweglicher vor. Es steckt einfach kein Momentum dahinter.

Da Spider-Mans akrobatisches Potential leider ungenutzt bleibt, widmen wir uns dem Kampfsystem, immerhin werdet ihr einen Großteil eurer Zeit damit verbringen euch durch Räume um Räume voller Gegner zu kloppen. Das Kampfsystem ist sehr bodengebunden und bietet nichts, was man nicht schon dutzende Male zuvor gesehen hätte. Schnelle Schläge, harte Schläge, Juggling, alles sehr 08/15.

Passend zur Ankündigung kürzlich haben wir natürlich auch schon ein paar Bilder zu Spider-Man: Edge of Time im Angebot. Im Spiel gibt bekannte Elemente aus Shattered Dimensions, wie z.B. 2099 Base-Jumping, aber auch ein paar neue Zeitreise-Spielereie
Klon-Saga Witz hier einfügen
Ein neues Element ist der Einsatz von Spider-Mans Hyper-Sense. Für einen kurzen Zeitraum könnt ihr Spidey in einen Zustand versetzen in dem er jeder Attacke automatisch ausweicht und somit quasi unverwundbar ist. Eine lustige Idee, die dem klassischen Spinnensinn aber nicht wirklich gerecht wird.
2099 Spider-Man hat dagegen ein, zumindest taktisch, vergleichsweise interessantes Element. Anstatt einem Spinnensinn, hat er die Möglichkeit sich kurzzeitig so schnell zu bewegen, dass er an 2 Orten gleichzeitig zu sein scheint. Ihr erschafft für kurze Zeit eine Illusion, die für die nächsten Sekunden das Ziel aller Gegner ist.

Ebenfalls aus Shattered Dimensions übernommen sind Miguel O’Haras Base Jumping Abschnitte. Immer wieder stürzt ihr euch aus höchsten Höhen um so schnell wie möglich ans Ziel zu kommen und weicht dabei Ventilatoren, Explosionen und stampfenden Dingern aus.

Passend zur Ankündigung kürzlich haben wir natürlich auch schon ein paar Bilder zu Spider-Man: Edge of Time im Angebot. Im Spiel gibt bekannte Elemente aus Shattered Dimensions, wie z.B. 2099 Base-Jumping, aber auch ein paar neue Zeitreise-Spielereie
Nur macht ihr das im Laufe des Spiels so oft, dass man sich irgendwann fragt wie verdammt hoch dieses verdammte Gebäude eigentlich ist. In den Credits gibt es, quasi als kleiner Witz der Entwickler, eine Andeutung, dass das Alchamax Gebäude mindestens so hoch wie der Mount Everest sein müsste, bedenkt man wie tief Spider-Man 2099 manchmal fällt. Es wird nie erklärt. Es sieht zwar cool aus und hilft das dann doch sehr einseitige Gameplay etwas aufzulockern, dafür leidet aber die Spielwelt. Nicht, dass man von dieser viel retten könnte.


Cause & Effect


Zeitreisen, egal ob in Spielen oder Filmen, schufen schon einige großartige Geschichten. Aber in Videospielen reicht es nicht, wenn man darüber redet, man muss so eine wundervolle Technologie auch nutzen können. Man denke nur an Spiele wie Day of the Tentacle oder Chrono Trigger, in denen ihr zwischen verschiedenen Zeiten hin und her wechseln müsst, die Vergangenheit verändert, um die Zukunft zu beeinflussen. Fällt einen Baum in der Vergangenheit und er ist in der Zukunft kein Problem mehr. Lernt in der Zukunft eine Melodie von einem Mann, reißt dann in der Zeit zurück und bringt sie ihm selber bei.

Nach diesem Konzept operiert theoretisch auch Edge of Time. Ich sage theoretisch, weil ihr an keinem Punkt im Spiel wirklich eine Wahl habt, ob und wann ihr besagte Änderungen vornehmen wollt.
Ein Beispiel: 2099 Spider-Man steht in einem Raum vor einem Energiefeld. Als wir mit Peter Parker Spider-Man in der Gegenwart durch den selben Raum gehen ist dort ebenfalls dieses Energiefeld, aber wir haben die Möglichkeit den Generator zu finden und zu zerstören. So erlischt das Energiefeld und im Jahre 2099 hat es nie existiert. Dafür wird der Eingang vor dem Miguel O’Hara stand jetzt von einen großen Roboter bewacht, den er nicht besiegen kann. Also muss Peter in der Gegenwart den Prototypen des Roboters zerstören und das unter Zeitdruck. Klingt spannend, oder? Ist es aber nicht.

Passend zur Ankündigung kürzlich haben wir natürlich auch schon ein paar Bilder zu Spider-Man: Edge of Time im Angebot. Im Spiel gibt bekannte Elemente aus Shattered Dimensions, wie z.B. 2099 Base-Jumping, aber auch ein paar neue Zeitreise-Spielereie
Zerstört Spider-Man in der Gegenwart den Prototypen, löst sich der Roboter in der Zukunft auf und 2099 Spidey (unten rechts) ist gerettet.

Das Problem: Dieser Abschnitt ist, wie der Rest des Spiels streng linear. Nie habt ihr selber die Möglichkeit eine Lösung zu finden oder eigenständig zwischen den beiden Zeiten hin und her zu wechseln. Wenn der Generator zerstört wird, seht ihr durch eine kurze Einblendung was mit 2099 Spidey grade passiert und ihr schwingt weiter als Peter Parker durch die Gegend. Kurz vor dem Raum mit dem Prototypen setzt das Zeitlimit ein und erst als ihr den Roboter zerstört, wechselt das Spiel wieder zu O’Hara der sich von da an mit kleineren Sicherheitsdrohnen rumärgern muss. Das Spiel hetzt euch von Set-Piece zu Set-Piece, ohne das ihr selber überhaupt die Möglichkeit habt zu überlegen was ihr jetzt als nächstes tun könntet.
Mir ist klar, dass das neueste Spidey-Game kein Ocarine of Time sein will, aber es ärgert mich einfach wie das Potential dieses cross-temporären Team-Ups kaum genutzt wird. Besonders wenn das sogenannte “Cause & Effect”-Gameplay als das Feature schlechthin angepriesen wird, wie es bei diesem Spiel der Fall ist.


Been there, done that


Die grösste Stärke von Spider-Man: Shattered Dimensions war, wie unglaublich Abwechslungsreich das Spiel war. Vier Spider-Men, alle mit ihren verschiedenen Leveln und Gegnern. Mal war man auf einer von Deadpool gekaperten Bohrinsel unterwegs, hat Hammerhead durch einen verlassenen Bahnhof verfolgt und lieferte sich einen Kampf mit Kraven und seinen “Schülern” im tiefsten Dschungel.
Die gesamte Handlung von Edge of Time findet im Alchamax-Gebäude statt. Einmal sieht es mehr aus wie ein Bürogebäude und ein andermal mehr wie ein.... futuristisches Bürogebäude, aber am Ende halt doch immer das Gleiche. Nichts an diesem Setting sticht irgendwie heraus, weil ich es schon so oft gesehen habe. Korridore mit Laserfallen, Aufzugsschächte, unterirdische Labore, Generatoren. Es ist alles so klischée-überladen und ausgelutscht.
Und dann werden die meisten Areale auch noch recycelt und man bewegt sich immer wieder durch die selben Räume. Das wäre an sich schon schlimm genug, wenn das Spiel nicht auch noch lächerliche 6 Stunden lang wäre und auch das noch mit Füllmaterial wie das kriechen durch Lüftungsschächte und dem Suchen nach Schlüsseln gestreckt wird.
Edge of Time bietet so wenig Content, ich fühlte mich an The Force Unleashed II erinnert. Und das ist nicht gut.

Passend zur Ankündigung kürzlich haben wir natürlich auch schon ein paar Bilder zu Spider-Man: Edge of Time im Angebot. Im Spiel gibt bekannte Elemente aus Shattered Dimensions, wie z.B. 2099 Base-Jumping, aber auch ein paar neue Zeitreise-Spielereie

Auch die Gegner sind alles Andere als Abwechslungsreich. In der Gegenwart kämpft man gegen Wachmänner in langweiligen Uniformen, in der Zukunft gegen eine Handvoll Roboter und böse Labormutanten wie man sie schon in unzähligen Spielen bekämpft hat.


Die Bosse... alle beide


Spider-Man
Neben Batman ist Spider-Man einer der Comic-Helden mit der besten Rogue’s Gallery (die Riege an Schurken mit der er es regelmäßig aufnimmt). Hier finden sich nicht nur simple Ganoven und Söldner mit Budget, wie der Shocker oder Rhino, sondern auch wahnsinnige Genies, die sich ganz dem Ende des Wandkrabblers verschrieben haben, wie z.B. der Green Goblin. Doch auch hier werden die unzähligen Möglichkeiten kaum genutzt.

Während des gesamten Spiels trifft man nur auf zwei Spider-Man Schurken, die eigentlich gar keine sind. Anti-Venom (ein Charakter der eigentlich ganz cool wäre, wenn er mich nicht an das One More Day-Reboot erinnern würde) leidet unter einem der fatalsten Fälle von Autor-Faulheit und wird durch Gedankenkontrolle zum “Monster of the week” degradiert.
In der Zukunft treffen wir auf einen Cyborg/Klon/Whatever von Black Cat, deren Auftritt mal sowas von überhaupt keinen Sinn macht. Und dann gibt es noch ein ziemlich erbährmliches Cameo von Doctor Octopus. Das war es an bekannten Gesichtern aus Spideys Rogue’s Gallery. Von 2099 Spider-Man sehen wir gar keine bekannten Gesichter.

Mich würde interessieren wie viel davon letztlich aus der Feder von Peter David stammt und was von den anderen Autoren hinzugefügt wurde.

Die Bosskämpfe sind außerdem furchtbar unspektakulär, weil man im Prinzip nur in einer relativ engen Arena Schläge verteilt. Es fehlt jegliche Dynamik. Denkt nur mal zurück an all die anderen Spider-Man-Spiele, in denen man hoch über New York den Geier, oder wegen mir auch den 2099 Hobgoblin verprügelte. In Shattered Dimensions hat man zumindest versucht die Bosskämpfe mit den 1st-Person-Prügeleinlagen etwas aufzulockern, aber hier? Fehlanzeige.

Spider-Man

PRO & CONTRA



  • Tolle Dialoge
  • Sehr gute, englische Sprecher
  • Base Jumping
  • Viele Alternativkostüme


  • Uninspiriertes Kampfsystem
  • Kaum Klettern und Schwingen
  • Viel zu kurz (ca. 6 Stunden)
  • Kaum Abwechslung
  • Ödes Leveldesign
  • Cause & Effect Gameplay


Fazit:
Wenn das beste was ich über ein Spiel sagen kann ist, dass die Dialoge echt gut sind, dann ist irgendetwas gewaltig schiefgelaufen.

Spider-Man
Spider-Man: Edge of Time macht so viel falsch. Alles sieht gleich aus, das Gameplay ist öde und das “Cause & Effect”-Konzept könnte nicht sinnloser verwendet werden. Aber das größte Problem ist einfach, es fühlt sich nicht an wie ein Spider-Man Spiel. Wandkrabbeln und Netzschwingen kommen kaum zum Einsatz, das Kampfsystem ist uninspiriert und hektisch.
Einmal abgesehen vielleicht von der Story gibt es Nichts in diesem Spiel, was Shattered Dimensions letztes Jahr nicht besser gemacht hätte.
Ein passendes Wort um Edge of Time zu beschreiben, gerade in Bezug auf seinen Vorgänger wäre “Halb”. Nur halb so viele Spider-Men, nur halb so viel Spielzeit und ich wünschte ich hätte wenigstens halb so viel Spaß gehabt wie mit dem letzten Spiel.

Es wäre ein Leichtes die meisten Fehler von Edge of Time darauf zu schieben, dass Activision jetzt schon damit beginnt das Franchise wieder bis aus äußerste zu melken. Mal im Ernst: Wie viele Spieleserien kennt ihr, die jährlich neue Ableger bekommen und nicht darunter leiden? Man merkt dem Spiel einfach an, dass es auf Shattered Dimensions basiert, aber zu wenig neues mitbringt um wirklich aufzufallen.
Hinzu kommt, dass euch das Spiel kaum überraschen wird. Ich habe jetzt von den Kämpfen gegen Anti-Venom und Black Cat erzählt, beides Dinge die auch schon im letzten Trailer zu sehen waren. Wenn ihr den gesehen habt, gibt es Nichts im Spiel was euch noch wirklich überraschen wird.

Allem Anschein nach orientiert sich das Spiel zu The Amazing Spider-Man an dem Beenox gerade arbeitet wieder an den Open World Spidey-Games wie Spider-Man 2 und Web of Shadows. Und wenn das funktioniert, fände ich das auch echt geil. Aber Edge of Time ist langweilig, lächerlich kurz und euer Geld nicht wert.
geschrieben von Green Ninja  
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