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Seit Dienstag ist Homefront auf dem Markt und sorgte bereits kurz nach seinem Release für allerlei Gesprächsstoff. Jetzt haben auch wir den Besatzungs-Shooter von KAOS ausgiebig getestet und zeigen euch in zwei Teilen, ob der Shooter hält was er verspricht. Den Anfang macht der Singleplayer.
Heutige Shooter - gerade solche, die ihren Schwerpunkt auf den Multiplayer auslegen - strotzen meist nicht vor viel Content wenn es darum geht, dem Spieler eine spannende und unterhaltende Geschichte zu erzählen. Meist sind diese Spiele dann auch ziemlich kurz was die Spielzeit angeht und kaum jemand braucht wirklich so lange, wie es die Entwickler voraussagen. Bei Homefront ist die ungefähre Spielzeit schon etwas länger kein Geheimnis mehr (wir berichteten) und so ist der geneigte Shooter-Fan schon nach kurzer Zeit mit dem Einzelspieler Modus durch. Bei Homefront soll uns, trotz der kurzen Spieldauer, der Singleplayer aber mit einer frischen und spannenden Geschichte begeistern. Dabei soll dem Spieler durch die dort präsentierte Atmosphäre, ein einzigartiges Spielerlebnis geboten werden.
Und die Atmosphäre hat KAOS wirklich gut hinbekommen! Die ersten paar Minuten in Homefront zeigen dem Spieler eine beklemmende Stimmung, die die Wut auf die Besatzungsmacht Korea steigern soll. Zur Erinnerung, Nord Koreas Führer Kim Jong-il verstarb und sein Sohn Kim Jong-un übernahm seine Amtsgeschäfte und vereinte Nord- und Südkorea. Nachdem sie Japan und andere asiatische Länder unter ihre Kontrolle gebracht hatten, richteten sie Ihren Blick auf die USA. Nachdem sie mit Hilfe eines EMP-Sateliten (EMP= Elektromagnetischer Impuls), die Stromversorgung der USA unterbrochen hatten, startete Korea einen Großangriff auf die Westküste der USA und gewann ziemlich schnell die Kontrolle über weite Teile des Landes.
Gefangenentransporte, Razzien und Exekutionen auf den Straßen sorgen sofort für einen sehr stimmungsvollen Einstieg als wir mit noch unbekanntem Ziel in einem Schulbus durch die Straßen gefahren werden. Doch genau dieses sollen wir gar nicht erst erreichen, weil wir plötzlich von einem Truck gerammt und auf die Seite geschleudert werden. Nachdem uns unsere beiden “neuen Freunde“ aus dem Bus geholfen haben und wir unsere erste Pistole in der Hand halten, geht’s auch schon los.
Natürlich bleibt diese Aktion nicht ohne Folgen und schon sind uns die koreanischen Streitkräfte auf den Fersen - wir bahnen uns unseren Weg, durch Häuserschluchten und Tankstellen bis hin zu einer kleinen Wohnsiedlung, wo zunächst alles recht ruhig verläuft.
Nach einer kurzen Verschnaufpause rücken bereits weitere Truppen an und wir verschanzen uns kurzerhand in einem Haus, in dem eine junge Mutter mit ihrem Säugling auf dem Arm, weinend um Hilfe schreit, während wir die anrückenden Soldaten in Schach halten.
Als wir mit Tränengas aus dem Haus getrieben werden, stoßen wir auf den Widerstandskämpfer Hopper, der uns eine Fernbedienung für eine schwer gepanzerte Drohne namens Goliath überlässt, mit der wir unseren Gegnern gehörig Feuer unterm Allerwertesten machen und sie zurückschlagen.
So viel erst einmal zum Einstieg von Homefront. Mit der Atmosphäre will KAOS neue Maßstäbe setzen und das gelingt auch teilweise und gerade die erste Hälfte des Spiels beeindruckt schon. Man fühlt sich in eine komplett andere Welt versetzt und lässt sich von der vorherrschenden Stimmung mitreißen. Leider muss man aber sagen, dass ab der zweiten Hälfte die Atmosphäre sehr schnell abflacht und wir uns, wie in anderen Shootern auch, nur noch von Level zu Level bewegen, während uns Welle auf Welle von Soldaten entgegenschlägt. Mal schleichen wir unbemerkt durch kleine Dörfer, überfallen Benzindepots und markieren Tanklaster mit GPS.In einer Mission dürfen wir sogar in einem Hubschrauber - den wir selbstverständlich selber fliegen - die eben genannten Tanklaster überfallen und kurzer Hand kapern, um sie unserem Militär zu übergeben, das den Treibstoff dringend benötigt um eine große Offensive zu starten. Das klingt zwar alles recht spannend, ist aber spielerisch nicht gerade der große Wurf und irgendwie hat man dieses und jenes schon woanders dutzende Male erlebt und gesehen. Schade!
Denn gerade hier wäre noch massig Luft nach oben gewesen. Und so versinkt die zweite Hälfte des Einzelspieler Modus in der Mittelmäßigkeit.
Und so oder so, ist der Singleplayer viel zu schnell vorbei, obwohl man gerne noch weiter gespielt hätte. Aber Spaß hatte ich beim Spielen trotz alledem.
Anders als bei anderen Genre-Vertretern, sind wir kein durchtrainierter, eisenharter Berufssoldat, sondern ein normaler Hubschrauberpilot, der über nur wenig Kampferfahrung verfügt. So bewegen wir uns recht langsam vorwärts und selbst der Sprint geht nicht ganz so zackig vonstatten, auch wenn wir quasi unbegrenzt von A nach B spurten können. Auch stecken wir feindliche Treffer weniger gut weg und so müssen wir die gebotenen Deckungsmöglichkeiten so oft es geht nutzen, um nicht vorzeitig das Gewehr aus der Hand legen zu müssen.
Apropo “Die Waffe aus der Hand legen“. Da wir nur Untergrundkämpfer sind und die meiste Zeit auf die von Gegnern zurückgelassenen Waffen- und Munitionsvorräte angewiesen sind und wir nur sehr wenig Munition pro Waffe mit uns führen können, müssen wir häufiger unsere Waffe gegen eine andere tauschen um weiter zu kämpfen. Denn 120 Schuss für ein SMG sind sehr schnell verfeuert wenn wir uns durch einen Straßenzug kämpfen und dabei keine geeignete Munition für unsere Wumme finden können. Dies wird schon in der ersten Mission deutlich, wo wir häufiger den Schießprügel auswechseln müssen als uns vielleicht lieb ist. Doch sollte man das nicht negativ betrachten, denn immerhin macht es Sinn und wer hat schon so viele Taschen um sich mal locker 500 Kugeln einzustecken? Eben - niemand!
Hinlegen, ducken und sprinten - alles ist enthalten! Nur das von vielen geliebte aus-der-Deckung-Lehnen, welches an mancher Stelle schon nützlich gewesen wäre, ist nicht vorhanden. Auch eine Schussweste, mit der wir ein paar mehr Treffer einstecken könnten, gibt es nicht und so ist an mancher Stelle der Bildschirm öfter rot als wir in Deckung hechten können.
Die Waffen in Homefront haben zwar nur einen geringen, wenn auch merkbaren Rückstoß, wirken aber dennoch sehr Arcade-lastig und erfordern keine größere Eingewöhnungszeit. Jede Waffe hat dabei seine eigenen Charakteristika und ist mal mit Schalldämpfer, mal mit optischen Visieren und auch mal nur mit Kimme und Korn ausgestattet.
Leider lässt der Sound der Waffen etwas zu wünschen übrig. So klingen einige Sturmgewehre nicht gerade “waffentypisch” wie man es gewohnt ist , sondern erinnern viel mehr an das Geräusch eines Presslufthammers.
Die KI der Gegner reißt - wie auch bei manch anderen Ego-Shootern - keine Bäume aus und glänzt lediglich durch eine gute Treffsicherheit. Zwar verschanzen sich die Gegner mal hinter Mülltonnen, Zäunen - durch die man nicht durchschießen kann – oder Barrikaden, aber nur um dann kurzzeitig in voller Pracht wieder hinter ihr hervorzugucken und ein wunderbares Ziel für uns abzugeben. Taktische Manöver gehören nicht gerade zu ihren Stärken und hin und wieder kann es auch vorkommen, dass ein Gegner direkt vor oder neben eurer Nase spawnt, was ebenfalls unschön ist.
Bei euren Kollegen, die euch auf Schritt und Tritt begleiten, sieht es ebenfalls mau aus - auch wenn sie den ein oder anderen Gegner für euch zu Boden befördern. Manchmal stehen sie einfach nur in der Schusslinie und versperren euch die Sicht, oder bleiben vor oder in einer Tür stehen (Stichwort: Follow Freeman, Half Life 2-Spieler werden dieses Problem sicher kennen), während ihr dem feindlichen Feuer schutzlos ausgeliefert seid.
Werfen wir nun einen Blick auf die Grafik von Homefront. Das Grafikgerüst baut auf der Unreal Engine 3 auf und macht auf den ersten Blick einen guten Eindruck. Gerade in den ersten Levels sorgt die Grafik für die entsprechende Atmosphäre und sieht gebietsweise besser aus, als andere Kriegs-Shooter die mit dieser Engine ihr Werk verrichten. Leider verhält es sich mit der Grafik genau so wie mit der Story, die ab der Hälfte des Spiels an Imposanz verliert. So wirken einige Level eher unschön und nur halbfertig und man bekommt das Gefühl, dass KAOS zum Ende hin die Zeit gefehlt hat, alles genauestens fertig zu stellen. Auch wirken einige der Texturen - unter anderem auch an den Waffen - eher matschig und ausgewaschen.
In Bezug auf die Weitsicht wirken Umgebung und Vegetation sehr trostlos und altbacken. Im Jahr 2011 sollte so etwas, gerade auf hohen Grafikeinstellungen, eigentlich nicht mehr sein.
Pro & Contra
- Gelungenes Story Konzept
- Stimmungsvolle Atmosphäre
- Interessante Charaktere
- Erfrischendes Setting eines besetzten Amerikas
- Sehr kurze Einzelspielerkampagne
- Story und Atmosphäre flachen ab der zweiten Hälfte ab
- Teilweise mittelprächtige Grafik und Animationen
- Unbefriedigendes Ende
Bei all den Militär-Shootern, die heutzutage auf dem Markt um die Käuferschaft buhlen ist es schwer für ein neues Produkt aus der Masse hervor zu stechen. Gerade dann, wenn es sich um einen Shooter mit einer nicht allzu großen Fan-Gemeinschaft handelt, als andere große Spielepublikationen die sich seit Jahren etabliert haben. So versucht Homefront mit frischen Ideen und einem guten Ansatz an Storytelling und Atmosphäre am Thron der Genreriesen zu rütteln, schafft dies aber nur mit halber Kraft. Der Einzelspieler fängt stark an und macht sofort Lust auf mehr, doch verfällt er nach kurzer Zeit in mittelmäßigem Run&Gun mit Zielscheiben statt Gegnern, deren einzige Stärke ihre Treffsicherheit darstellt. Mit knappen 4 Stunden, die ich für das Durchspielen der Kampagne gebraucht hat, ist der Singleplayer von Homefront eher was für einen verregneten Samstagnachmittag, der einen zwar gut unterhält aber nur bedingt zu einem zweiten Spieldurchlauf motiviert. Sehr schade, denn hier wäre definitiv mehr drin gewesen!
So viel also zum Singleplayer von Homefront. Demnächst dürft ihr euch noch auf unseren Multiplayer-Test freuen, in dem wir zeigen ob der Shooter von KAOS hier mehr punkten kann.
Bis neulich...
Zum Multiplayer Test
geschrieben von Ru$h .IX

