Vor 2 Jahren habe ich Edna bricht aus gespielt, ein Adventure, dass mit den Worten warb ”von den Leuten die Monkey Island echt toll fanden”. Und wenn Edna eines war, dann ein Liebesbrief an das Adventure Genre und noch dazu der beste Genre Vertreter der mir in über einer Dekade untergekommen ist. Gleichzeitig warf das Spiel im letzten Drittel alles was man glaubte über Stories in Videospielen zu wissen über Bord und lies die meisten Spieler ziemlich hart schlucken.
Harveys neue Augen ist die Fortsetzung, d.h. mehr eine Art Spin-Off, zu Edna bricht aus. Die Frage ist, schafft es Daedalic erneut ein Meisterwerk abzuliefern? Durch Story und Dialoge zu begeistern? Und den Spieler sich am Ende fragen zu lassen was zum Geier da gerade eigentlich passiert ist und seine Taten in den letzten Stunden noch einmal kritisch zu begutachten? Diese Fragen versuchen wir in unserem Review zu beantworten.
Es ist nicht leicht über Harveys neue Augen zu schreiben ohne zu spoilern. Ich könnte die Rätsel, Grafik und den Sound des Spiels bewerten und das Spiel damit abhaken. Aber so einfach ist das dann doch nicht. Denn ich würde diesem Spiel Unrecht tun, wenn ich nicht ausführlicher über den eigentlichen Inhalt und die Handlung reden würde. Wenn ihr also völlig spoilerfrei an Harveys neue Augen rangehen wollt, dann hört an diesem Punkt auf zu lesen und kauft euch das Spiel einfach sofort. Es ist vielleicht ein bisschen kurz, aber auf jeden Fall spielenswert.
Des Weiteren bin ich mir nicht sicher, ob man es Leuten empfehlen kann, die Edna bricht aus nicht gespielt haben. Allerdings muss ich eben jenen solchen Lesern an diesem Punkt die Frage stellen, warum dies der Fall ist. So oder so, Harvey neue Augen ist eher ein Spin-off als eine wirkliche Fortsetzung. Aber wie bei so vielen Spin-offs macht es schon Sinn, wenn man das Original kennt. Man kann die Geschichte vermutlich auch so genießen, aber wenn man die ganze Geschichte kennen will und auch die Vielzahl an Anspielungen verstehen will, kommt man um Edna nicht herum.
Die Klosterschülerin Lilli ist das bravste Mädchen der Welt. Ohne Murren macht sie jede Aufgabe die ihr die strenge Mutter Oberin aufgibt und trotzdem wird sie konstant ausgeschimpft. Irgendetwas scheint sie immer falsch zu machen. So lebt Lilli in den Tag hinein und versucht Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen (ganz im Gegensatz zu ihrer besten Freundin Edna).Und wenn ihr doch etwas unangenehmes wiederfahren sollte, mit dem sie sich nicht auseinander setzen will, helfen ihr die lustigen Zensurgnome, die alles rosa anpinseln, was Lilli nicht sehen will.
Als sich die “Unfälle” in der Klosterschule häufen, sieht die Mutter Oberin nur noch einen Ausweg. Der berühmte Psychologe Dr. Marcel soll seine neuste Methode zur Kindererziehung an Lilli erproben, ein blauer Stoffhase mit merkwürdig leuchtenden Augen.
Das Faszinierende an Harvey, und auch der Teil wegen dem ich eine ganze Weile nicht sicher war, wie ich mit dem Spiel umgehen sollte, ist wie leichtfertig das Spiel mit Gewalt umgeht. Edna bricht aus war tatsächlich eines von den Spielen, dass einen inne halten und über den Inhalt nachdenken lies. Es war tatsächlich eines dieser Spiele, dass es schaffte mehr zu sein als nur ein Spiel. Harveys neue Augen dagegen wirft schon in der ersten Stunde jegliche Erwartungen die ihr an dieses Spiel haben könntet über Bord. Denn während Edna im letzten Drittel deutlich düsterer wurde um damit das gesamte Set-Up auf den Kopf zu stellen, hat Harvey von Anfang an eine sehr unverkrampfte Haltung zu Gewalt. So unverkrampft, dass es quasi an South Park oder teils sogar Happy Tree Friends erinnert. Da wird zerquetscht, vergiftet und in die Luft gesprengt was das Zeug hält. Aber dank der Zensurgnome bleiben uns die Ergebnisse ersparrt.
Es wirkt wie ein boshafter Stich in Richtung USK, dass Mord- und Totschlag auf einmal okay sind, nur weil “getarnt” sind, anstatt richtig gezeigt zu werden. Aber je mehr Lilli im Laufe der Handlung in sich geht und die Parallelwelt ihrer Fantasie eintaucht umso näher rückt der Punkt, an dem diese Dinge einfach nicht weiter zurück gehalten werden können.
Harveys neue Augen besticht außerdem durch Daedalics ganz eigene Version des “stummen Protagonisten”. Lilli könnte vermutlich reden, wenn sie jemand lassen würde. Doch die meiste Zeit über lässt sie niemand reden und sie bekommt nur ein schüchternes ”hmm” oder ”ähm” über die Lippen. Dennoch funktionieren die für das Genre typischen Multiple Choice Dialoge auch wunderbar in dieser recht einseitigen Form. Die anderen Charaktere wissen immer genau, was Lilli als nächstes sagen will und haben schon die passende Antwort parat.

Aber immerhin reden wir hier von einem Point & Click-Adventure, da wird auch außerhalb der Dialoge viel gesprochen. Hier kommt der Erzähler ins Spiel und auch er trägt zum bitterbösen Humor des Spiels bei. Manchmal erzählt er uns, was Lilli über eine Person denkt oder auch was sie nie denken würde. Da wir diese Informationen immer nur aus zweiter Hand bekommen ist Lilli immer ein bisschen undurchsichtig.
Manchmal schimpft der Erzähler Lilli auch mal aus. Oder erzählt vom finsteren Abgrund, den sie immer sieht, wenn sie die Augen schließt. Und natürlich gibt es auch einen ordentlichen Batzen Witze auf Kosten der 4. Mauer. Ich kam das gesamte erste Drittel des Spiels nicht mehr aus dem Lachen herraus.
Apropos Erzähler: Die Synchronisation ist mal wieder erste Sahne. Ganz besonders Götz Otto in der Rolle des Erzählers, der fließend zwischen sadistisch und fröhlich hin und her wechselt. Aber auch die anderen Sprecher leisten einen sehr guten Job. Mit dabei sind auch wieder unsere beiden Helden aus Edna bricht aus und gerade Harvey-Sprecher Alexander Grimm ist deutlich gruseliger als vorher. Wie auch immer er das geschafft hat.
So gut die Jungs bei Daedalic auch schreiben können, Harveys neue Augen ist immer noch ein Adventure, also müssen auch Rätsel gelöst werden. Harveys Rätsel basieren wieder auf einer spaßigen Comic-Logik ala Curse of Monkey Island, da wird eine Scheibe Käse schonmal zu einer Schlüsselkarte.
Insgesamt waren mir die meisten Rätsel dann aber doch etwas zu einfach. Des Öfteren hat man nur ein sehr kleines Areal zu durchsuchen, wodurch die Lösungen recht offensichtlich sind. Dies wechselt sich ab mit Teilen die aus mehreren Räumen bestehen in denen man zwar lange nach einer Lösung suchen kann, aber nicht zwingend muss. Wenn man den anderen Charakteren richtig zuhört und, wie es sich für das Genre gehört, einfach alles mitnimmt, was nicht niet- und nagelfest ist, sind die meisten Rätsel schnell gelöst. Das muss an sich nichts Schlechtes sein, aber rückblickend hat mir Edna bricht aus in diesen Punkten besser gefallen. Teile des Spiels spielten halt in der wirklich riesigen Anstalt mit viel zu vielen Räumen, Charakteren und Items und dadurch hat man halt viel länger nach einer Lösung gesucht. Dafür funktioniert der kompaktere Aufbau von Harveys neue Augen besser um die Story zu entwickeln, auch wenn die Länge des Spiels darunter leidet.
Wie auch schon in The Whispered World und A New Beginning gibt es auch in Harveys neue Augen einige Kopfnüsse die eher an Professor Layton als an klassische Adventure-Knobelleien erinnern. Doch diese fügen sich sehr schön in die Handlung und das schräge Setting des Spiels ein und sollten sie euch dann doch zu sehr auf die Nerven gehen, kann man sie auch überspringen. Mein persönlicher Favorit war das Belegen einer Pizza für pingelige Farbenblinde.
Wie schon vom ersten Teaser an klar war, nutzt Harvey den selben Grafikstil wie Edna bricht aus. Das ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite passt der Stil wirklich wunderbar zum Spiel, gerade durch die lustigen Zensurgnome und ihre, ähm... Arbeit. Andererseits wissen wir wozu Daedalics Künstler in der Lage sind und so wirkt Harvey im direkten Vergleich zu ihren anderen Spielen etwas... grob. Und ich könnte schwören die Augenklappe eines Charakters wechselt regelmäßig die Seite, aber vielleicht ist das auch Absicht.
Und damit wäre eigentlich alles wichtige zu Harveys neue Augen gesagt. Ordentliche, wenn auch etwas zu leichte Rätsel, ein liebenswerter Grafikstil und ein ziemlich bösartiger Humor.
Das alleine würde schon reichen um ein wirklich gutes Adventure zu sein. Aber es ist eben mehr. Es ist eine Reise in die Abgründe der kindlichen Fantasie. Es spielt mit den Erwartungen der Spieler. Es stellt alles was durch den Vorgänger aufgebaut wurde auf den Kopf.
Ich muss zugeben, ich hatte zu Anfang einige Probleme mit Harveys neue Augen, eben weil es so mit meinen Erwartungen gespielt hat. Und auch das Ende kommt etwas abrupt. Insgesamt ist Harvey sicher nicht weniger witzig als Edna, aber das Spiel hat teilweise einige Schwierigkeiten mit der Stimmung. Ist es komisch? Ist es düster? Ist es tragisch? Edna war zuerst das eine, dann das andere. Harvey dagegen scheint immer alles gleichzeitig zu wollen.
Und es sind diese Schwankungen, durch die Harveys neue Augen nicht ganz das Meisterwerk geworden ist, was ich mir erhofft hatte. Es ist wirklich scheiße komisch. Und furchtbar bekloppt. Und unheimlich fies. Aber auch traurig. Und nebenbei auch ein wirklich solides Adventure. Aber es ist auch überhaupt nicht das, was ich erwartet hatte. Aber wenn ich Autor Jan Müller-Michaelis auf der Gamescom richtig verstanden habe, dann haben sie ihren Job damit richtig gemacht.
Kauft euch Harveys neue Augen. Denn dieses Spiel muss man erlebt haben um darüber zu reden.
Harveys neue Augen ist die Fortsetzung, d.h. mehr eine Art Spin-Off, zu Edna bricht aus. Die Frage ist, schafft es Daedalic erneut ein Meisterwerk abzuliefern? Durch Story und Dialoge zu begeistern? Und den Spieler sich am Ende fragen zu lassen was zum Geier da gerade eigentlich passiert ist und seine Taten in den letzten Stunden noch einmal kritisch zu begutachten? Diese Fragen versuchen wir in unserem Review zu beantworten.
Es ist nicht leicht über Harveys neue Augen zu schreiben ohne zu spoilern. Ich könnte die Rätsel, Grafik und den Sound des Spiels bewerten und das Spiel damit abhaken. Aber so einfach ist das dann doch nicht. Denn ich würde diesem Spiel Unrecht tun, wenn ich nicht ausführlicher über den eigentlichen Inhalt und die Handlung reden würde. Wenn ihr also völlig spoilerfrei an Harveys neue Augen rangehen wollt, dann hört an diesem Punkt auf zu lesen und kauft euch das Spiel einfach sofort. Es ist vielleicht ein bisschen kurz, aber auf jeden Fall spielenswert.
"Hai! Wie lustig der völlig intakte Sprengkopf der Fliegerbombe blinkte!"
Des Weiteren bin ich mir nicht sicher, ob man es Leuten empfehlen kann, die Edna bricht aus nicht gespielt haben. Allerdings muss ich eben jenen solchen Lesern an diesem Punkt die Frage stellen, warum dies der Fall ist. So oder so, Harvey neue Augen ist eher ein Spin-off als eine wirkliche Fortsetzung. Aber wie bei so vielen Spin-offs macht es schon Sinn, wenn man das Original kennt. Man kann die Geschichte vermutlich auch so genießen, aber wenn man die ganze Geschichte kennen will und auch die Vielzahl an Anspielungen verstehen will, kommt man um Edna nicht herum.
Was hast du jetzt schon wieder angestellt?
Die Klosterschülerin Lilli ist das bravste Mädchen der Welt. Ohne Murren macht sie jede Aufgabe die ihr die strenge Mutter Oberin aufgibt und trotzdem wird sie konstant ausgeschimpft. Irgendetwas scheint sie immer falsch zu machen. So lebt Lilli in den Tag hinein und versucht Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen (ganz im Gegensatz zu ihrer besten Freundin Edna).Und wenn ihr doch etwas unangenehmes wiederfahren sollte, mit dem sie sich nicht auseinander setzen will, helfen ihr die lustigen Zensurgnome, die alles rosa anpinseln, was Lilli nicht sehen will.
Als sich die “Unfälle” in der Klosterschule häufen, sieht die Mutter Oberin nur noch einen Ausweg. Der berühmte Psychologe Dr. Marcel soll seine neuste Methode zur Kindererziehung an Lilli erproben, ein blauer Stoffhase mit merkwürdig leuchtenden Augen.
Blut und Zuckerguss
Das Faszinierende an Harvey, und auch der Teil wegen dem ich eine ganze Weile nicht sicher war, wie ich mit dem Spiel umgehen sollte, ist wie leichtfertig das Spiel mit Gewalt umgeht. Edna bricht aus war tatsächlich eines von den Spielen, dass einen inne halten und über den Inhalt nachdenken lies. Es war tatsächlich eines dieser Spiele, dass es schaffte mehr zu sein als nur ein Spiel. Harveys neue Augen dagegen wirft schon in der ersten Stunde jegliche Erwartungen die ihr an dieses Spiel haben könntet über Bord. Denn während Edna im letzten Drittel deutlich düsterer wurde um damit das gesamte Set-Up auf den Kopf zu stellen, hat Harvey von Anfang an eine sehr unverkrampfte Haltung zu Gewalt. So unverkrampft, dass es quasi an South Park oder teils sogar Happy Tree Friends erinnert. Da wird zerquetscht, vergiftet und in die Luft gesprengt was das Zeug hält. Aber dank der Zensurgnome bleiben uns die Ergebnisse ersparrt.
Es wirkt wie ein boshafter Stich in Richtung USK, dass Mord- und Totschlag auf einmal okay sind, nur weil “getarnt” sind, anstatt richtig gezeigt zu werden. Aber je mehr Lilli im Laufe der Handlung in sich geht und die Parallelwelt ihrer Fantasie eintaucht umso näher rückt der Punkt, an dem diese Dinge einfach nicht weiter zurück gehalten werden können.
Sag nichts
Harveys neue Augen besticht außerdem durch Daedalics ganz eigene Version des “stummen Protagonisten”. Lilli könnte vermutlich reden, wenn sie jemand lassen würde. Doch die meiste Zeit über lässt sie niemand reden und sie bekommt nur ein schüchternes ”hmm” oder ”ähm” über die Lippen. Dennoch funktionieren die für das Genre typischen Multiple Choice Dialoge auch wunderbar in dieser recht einseitigen Form. Die anderen Charaktere wissen immer genau, was Lilli als nächstes sagen will und haben schon die passende Antwort parat.
Aber immerhin reden wir hier von einem Point & Click-Adventure, da wird auch außerhalb der Dialoge viel gesprochen. Hier kommt der Erzähler ins Spiel und auch er trägt zum bitterbösen Humor des Spiels bei. Manchmal erzählt er uns, was Lilli über eine Person denkt oder auch was sie nie denken würde. Da wir diese Informationen immer nur aus zweiter Hand bekommen ist Lilli immer ein bisschen undurchsichtig.
Manchmal schimpft der Erzähler Lilli auch mal aus. Oder erzählt vom finsteren Abgrund, den sie immer sieht, wenn sie die Augen schließt. Und natürlich gibt es auch einen ordentlichen Batzen Witze auf Kosten der 4. Mauer. Ich kam das gesamte erste Drittel des Spiels nicht mehr aus dem Lachen herraus.
"Dem Erzähler verging langsam die Lust, sich Beweggründe für Lillis Handeln auszudenken. Tatsache war doch, niemand wusste was sie da tat und warum."
Apropos Erzähler: Die Synchronisation ist mal wieder erste Sahne. Ganz besonders Götz Otto in der Rolle des Erzählers, der fließend zwischen sadistisch und fröhlich hin und her wechselt. Aber auch die anderen Sprecher leisten einen sehr guten Job. Mit dabei sind auch wieder unsere beiden Helden aus Edna bricht aus und gerade Harvey-Sprecher Alexander Grimm ist deutlich gruseliger als vorher. Wie auch immer er das geschafft hat.
Benutze Presslufthammer mit Fliegerbombe
So gut die Jungs bei Daedalic auch schreiben können, Harveys neue Augen ist immer noch ein Adventure, also müssen auch Rätsel gelöst werden. Harveys Rätsel basieren wieder auf einer spaßigen Comic-Logik ala Curse of Monkey Island, da wird eine Scheibe Käse schonmal zu einer Schlüsselkarte.
Insgesamt waren mir die meisten Rätsel dann aber doch etwas zu einfach. Des Öfteren hat man nur ein sehr kleines Areal zu durchsuchen, wodurch die Lösungen recht offensichtlich sind. Dies wechselt sich ab mit Teilen die aus mehreren Räumen bestehen in denen man zwar lange nach einer Lösung suchen kann, aber nicht zwingend muss. Wenn man den anderen Charakteren richtig zuhört und, wie es sich für das Genre gehört, einfach alles mitnimmt, was nicht niet- und nagelfest ist, sind die meisten Rätsel schnell gelöst. Das muss an sich nichts Schlechtes sein, aber rückblickend hat mir Edna bricht aus in diesen Punkten besser gefallen. Teile des Spiels spielten halt in der wirklich riesigen Anstalt mit viel zu vielen Räumen, Charakteren und Items und dadurch hat man halt viel länger nach einer Lösung gesucht. Dafür funktioniert der kompaktere Aufbau von Harveys neue Augen besser um die Story zu entwickeln, auch wenn die Länge des Spiels darunter leidet.
Wie auch schon in The Whispered World und A New Beginning gibt es auch in Harveys neue Augen einige Kopfnüsse die eher an Professor Layton als an klassische Adventure-Knobelleien erinnern. Doch diese fügen sich sehr schön in die Handlung und das schräge Setting des Spiels ein und sollten sie euch dann doch zu sehr auf die Nerven gehen, kann man sie auch überspringen. Mein persönlicher Favorit war das Belegen einer Pizza für pingelige Farbenblinde.
Cartoon Chaos
Wie schon vom ersten Teaser an klar war, nutzt Harvey den selben Grafikstil wie Edna bricht aus. Das ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite passt der Stil wirklich wunderbar zum Spiel, gerade durch die lustigen Zensurgnome und ihre, ähm... Arbeit. Andererseits wissen wir wozu Daedalics Künstler in der Lage sind und so wirkt Harvey im direkten Vergleich zu ihren anderen Spielen etwas... grob. Und ich könnte schwören die Augenklappe eines Charakters wechselt regelmäßig die Seite, aber vielleicht ist das auch Absicht.
PRO & CONTRA
- Unheimlich witzig
- Tolle Geschichte
- Comic-Logik der Rätsel
- Großartige Synchronisation
- Zu einfach
- Zu kurz
- Stimmungsschwankungen
Böse, aber gut
Und damit wäre eigentlich alles wichtige zu Harveys neue Augen gesagt. Ordentliche, wenn auch etwas zu leichte Rätsel, ein liebenswerter Grafikstil und ein ziemlich bösartiger Humor.
Das alleine würde schon reichen um ein wirklich gutes Adventure zu sein. Aber es ist eben mehr. Es ist eine Reise in die Abgründe der kindlichen Fantasie. Es spielt mit den Erwartungen der Spieler. Es stellt alles was durch den Vorgänger aufgebaut wurde auf den Kopf.
Ich muss zugeben, ich hatte zu Anfang einige Probleme mit Harveys neue Augen, eben weil es so mit meinen Erwartungen gespielt hat. Und auch das Ende kommt etwas abrupt. Insgesamt ist Harvey sicher nicht weniger witzig als Edna, aber das Spiel hat teilweise einige Schwierigkeiten mit der Stimmung. Ist es komisch? Ist es düster? Ist es tragisch? Edna war zuerst das eine, dann das andere. Harvey dagegen scheint immer alles gleichzeitig zu wollen.
Und es sind diese Schwankungen, durch die Harveys neue Augen nicht ganz das Meisterwerk geworden ist, was ich mir erhofft hatte. Es ist wirklich scheiße komisch. Und furchtbar bekloppt. Und unheimlich fies. Aber auch traurig. Und nebenbei auch ein wirklich solides Adventure. Aber es ist auch überhaupt nicht das, was ich erwartet hatte. Aber wenn ich Autor Jan Müller-Michaelis auf der Gamescom richtig verstanden habe, dann haben sie ihren Job damit richtig gemacht.
Kauft euch Harveys neue Augen. Denn dieses Spiel muss man erlebt haben um darüber zu reden.
geschrieben von Green Ninja

