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Eine Stadt im ewigen Regen. Ein Ex-Killer auf der Suche nach Vergebung. Ein Mann ohne Erinnerung wird zum Attentäter ausgebildet. Mafiosi. Raumstationen. Verschwörungen, Mord, Drogen. Ein Point & Click Interface, Cover Based Shooting und Kistenschieberätsel. Und es sieht aus, wie Adventures von vor 20 Jahren. Das ist Gemini Rue, ein Sci-Fi Noir Thriller. Und das hier ist unser Review.
Es gibt Spiele, die schaffen es in wenigen Minuten, ach was, in Sekunden, zu erklären worum es es geht. Gemini Rue beginnt mit einem Mann, der sich unter einem Dach vor dem strömenden Regen in einer düsteren Stadt schützt. Und trotz der pixeligen Grafik erkennen wir einen Trenchcoat und eine Krawatte. Doch dann klingelt das “Telefon” des mysteriösen Mannes und Kain teilt seinem Partner Azriel mit, dass er nicht mehr lange im Orbit bleiben kann. Bam! Science Fiction Noir Set-Up in 10 Sekunden. Einfach klasse!
Azriel Odin war mal ein Killer. Doch jetzt steht er auf der anderen, der “richtigen” Seite des Gesetzes. Er kam auf den Planeten Barracus auf der Suche nach seinem Bruder. Doch etwas ging schief und nun muss er einen Deal mit der lokalen Mafia, den Borykudan, eingehen.
Irgendwo weit entfernt erwacht ein Mann namens Delta-Six und kann sich an nichts erinnern. Wer er ist, wo er ist, solche Dinge sind ihm ein Rätsel. Einzig und allein die Stimme des “Direktors” weist ihn in den nächsten Raum. Er soll die Waffe in die Hand und sein Training wieder aufnehmen.
Generell bevorzuge ich Science-Fiction Settings gegenüber Fantasy. Die SF-Elemente in Gemini Rue dagegen sind aber dennoch sehr dezent gehalten und in den Abschnitten mit Azriel kommt so ein richtig tolles Noir-Feeling rüber.
Im krassen Gegensatz dazu steht aber die andere Hälfte des Spiels, in denen Delta-Six durch die sterile Trainingsanlage wandert und es erinnert irgendwie an eine düstere Version von The Island.
Ah, noch ein Point & Click Adventure. Es war mehr oder weniger im Alleingang das Adventure-Genre, dass mich zum Zocker machte. Da freut es mich umso mehr, wie viele hochwertige Spiele in den letzten Jahren erschienen sind.
Wie so viele Adventures, die ich in letzter Zeit gespielt habe, ist euer Inventar allerdings nie wirklich voll. Selten habt ihr mehr als drei Gegenstände dabei. Dafür sind die Gebiete die es zu erforschen gilt größer. Und wie so viele der Adventures, die ich gespielt habe, kommt dieser verschobene Fokus vor allem der Story zugute.
Die Rätsel sind relativ bodenständig. Ihr werdet keine Luftballons an Briefbeschwerer binden und auch keinen schweizer Käse als Lochkarte benutzen. Die Lösungen sind zwar nicht immer eindeutig, aber nachvollziehbar und logisch. Ab und an müsst ihr auch mal eine Kiste verschieben.
Insgesamt spielt sich das Spiel allerdings ein wenig träge. Die Pause zwischen Dialogen sind ca. eine halbe Sekunde zu lang und das Interface ist nicht sonderlich flexibel. Soll heißen, auch wenn ihr zum x-ten mal in das Gebäude schleicht, müsst ihr immer erst auf die Kiste klettern, dann auf die Stange steigen, die Leiter herauf klettern zum Fenster laufen und erst dann könnt ihr einsteigen. Unnötig umständlich, aber lieber ein langsames Point & Click Adventure, als diese merkwürdigen 3D-Steuerungsexperimente von Telltale.
Gemini Rue versucht sich außerdem an etwas, dass ich schon sehr lange nicht mehr in Adventures gesehen habe: Action-Minispiele. In den Indiana Jones Adventures von Lucas Arts damals waren es Boxkämpfe mit diversen Nazi Schlägern. In Gemini Rue liefert ihr euch regelmäßig Schießereien mit den Borykudan.
In einem simplem Minispiel schaut ihr immer wieder aus eurer Deckung heraus und versucht den Gegner im richtigen Moment zu erwischen. Alles eine Frage des Timings. Wirklich komplex sind diese Schusswechsel nicht, aber sie helfen Abwechslung ins Gameplay zu bringen und machen das gesamte Setting realistischer. Dabei verliert das Spiel nie den Adventure-Flair, oder driftet zu sehr in Richtung Action ab.
Möglicherweise ist euch schon aufgefallen, dass Gemini Rue nicht gerade aussieht, als wäre es von Crytek. Da das Spiel ein Independent Projekt ist, stand Produzent Joshua Nuernberger kein so riesiges Budget zur Verfügung. Als Ausgleich sieht das Spiel aus als, naja, als wäre es 20 Jahre alt. Das meine ich aber nicht negativ. Die Optik erinnert sicher nicht ohne Grund stark an klassische Adventures wie Beneath a Steel Sky oder Indiana Jones and the Fate of Atlantis.
Man könnte jetzt natürlich böse sein, und ihm vorwerfen, er versuche damit nur die Nostalgie der Spieler zu wecken, um ein paar Sympathiepunkte zu sammeln. Aber das wäre Quatsch.
Tatsache ist, Geminie Rue sieht klasse aus. Adventures sind in 2D sowieso immer besser als in 3D. Und irgendwie passt diese Pixeloptik wirklich gut zu dem Spiel. Okay, das sich viele Flure und Gänge ähneln ist vielleicht weniger schön, aber es unterstreicht auch die triste Atmosphäre des Spiels.
Allerdings hat die triste, verpixelte Optik den Nachteil, dass ihr nicht immer seht, was eigentlich gerade wichtig ist. So musste ich einmal online nach einer Lösung suchen, nur um zu erfahren, dass direkt vor mir eine Glasscherbe auf dem Boden lag.
Die wichtigen Charaktere werden in Dialogen alle durch kleine Fenster repräsentiert, allerdings gibt es keine verschiedenen Gesichtsausdrücke. Somit bleiben die Emotionen allein den Sprechern überlassen.
Die Lokalisierung ist überraschenderweise der Punkt an dem Gemini Rue am meisten einstecken musste. Die deutsche Synchronisation ist gut, aber das englische Original - welches ebenfalls auf der Disc enthalten ist - ist einfach besser.
Der Soundtrack, der übrigens als Bonus mitgeliefert wird, leistet großartige Arbeit die Atmosphäre des Spiels zu unterstreichen. Melancholische Jazz-Einlagen wechseln sich mit intensiveren, aber selten übertriebenen Actiontracks ab. Ein Soundtrack, den ich mir auch gerne außerhalb des Spiels anhöre.
Sicher hat es einige Macken. Es spielt sich etwas träge, die Lokalisierung könnte besser sein und so schön die Retro-Optik auch ist - nach einer Weile wird es dann doch anstrengend.
Aber alles funktioniert! Hättet ihr mir vor 3 Woche gesagt, dass ein Point & Click-Adventure von fucking Cover Based Shooting profitieren würde, hätte es Kopfnüsse gehagelt.
Gemini Rue ist vielleicht nicht ganz ein Meisterwerk im Kaliber eines A New Beginning, aber es ist ein spannendes Adventure mit tollem Setting, dass sich Fans des Genres und solche, die es werden wollen, auf keinen Fall entgehen lassen dürfen.
Außerdem kostet es nur schlappe 20 Euro. Kaufen!
Es pisst!
Es gibt Spiele, die schaffen es in wenigen Minuten, ach was, in Sekunden, zu erklären worum es es geht. Gemini Rue beginnt mit einem Mann, der sich unter einem Dach vor dem strömenden Regen in einer düsteren Stadt schützt. Und trotz der pixeligen Grafik erkennen wir einen Trenchcoat und eine Krawatte. Doch dann klingelt das “Telefon” des mysteriösen Mannes und Kain teilt seinem Partner Azriel mit, dass er nicht mehr lange im Orbit bleiben kann. Bam! Science Fiction Noir Set-Up in 10 Sekunden. Einfach klasse!
Azriel Odin war mal ein Killer. Doch jetzt steht er auf der anderen, der “richtigen” Seite des Gesetzes. Er kam auf den Planeten Barracus auf der Suche nach seinem Bruder. Doch etwas ging schief und nun muss er einen Deal mit der lokalen Mafia, den Borykudan, eingehen.
Irgendwo weit entfernt erwacht ein Mann namens Delta-Six und kann sich an nichts erinnern. Wer er ist, wo er ist, solche Dinge sind ihm ein Rätsel. Einzig und allein die Stimme des “Direktors” weist ihn in den nächsten Raum. Er soll die Waffe in die Hand und sein Training wieder aufnehmen.
Generell bevorzuge ich Science-Fiction Settings gegenüber Fantasy. Die SF-Elemente in Gemini Rue dagegen sind aber dennoch sehr dezent gehalten und in den Abschnitten mit Azriel kommt so ein richtig tolles Noir-Feeling rüber.
Im krassen Gegensatz dazu steht aber die andere Hälfte des Spiels, in denen Delta-Six durch die sterile Trainingsanlage wandert und es erinnert irgendwie an eine düstere Version von The Island.
Dietriche und andere Werkzeuge
Ah, noch ein Point & Click Adventure. Es war mehr oder weniger im Alleingang das Adventure-Genre, dass mich zum Zocker machte. Da freut es mich umso mehr, wie viele hochwertige Spiele in den letzten Jahren erschienen sind.
Wie so viele Adventures, die ich in letzter Zeit gespielt habe, ist euer Inventar allerdings nie wirklich voll. Selten habt ihr mehr als drei Gegenstände dabei. Dafür sind die Gebiete die es zu erforschen gilt größer. Und wie so viele der Adventures, die ich gespielt habe, kommt dieser verschobene Fokus vor allem der Story zugute.
Die Rätsel sind relativ bodenständig. Ihr werdet keine Luftballons an Briefbeschwerer binden und auch keinen schweizer Käse als Lochkarte benutzen. Die Lösungen sind zwar nicht immer eindeutig, aber nachvollziehbar und logisch. Ab und an müsst ihr auch mal eine Kiste verschieben.
Insgesamt spielt sich das Spiel allerdings ein wenig träge. Die Pause zwischen Dialogen sind ca. eine halbe Sekunde zu lang und das Interface ist nicht sonderlich flexibel. Soll heißen, auch wenn ihr zum x-ten mal in das Gebäude schleicht, müsst ihr immer erst auf die Kiste klettern, dann auf die Stange steigen, die Leiter herauf klettern zum Fenster laufen und erst dann könnt ihr einsteigen. Unnötig umständlich, aber lieber ein langsames Point & Click Adventure, als diese merkwürdigen 3D-Steuerungsexperimente von Telltale.
Adventure mit Action
Gemini Rue versucht sich außerdem an etwas, dass ich schon sehr lange nicht mehr in Adventures gesehen habe: Action-Minispiele. In den Indiana Jones Adventures von Lucas Arts damals waren es Boxkämpfe mit diversen Nazi Schlägern. In Gemini Rue liefert ihr euch regelmäßig Schießereien mit den Borykudan.
In einem simplem Minispiel schaut ihr immer wieder aus eurer Deckung heraus und versucht den Gegner im richtigen Moment zu erwischen. Alles eine Frage des Timings. Wirklich komplex sind diese Schusswechsel nicht, aber sie helfen Abwechslung ins Gameplay zu bringen und machen das gesamte Setting realistischer. Dabei verliert das Spiel nie den Adventure-Flair, oder driftet zu sehr in Richtung Action ab.
Pixel Rain
Möglicherweise ist euch schon aufgefallen, dass Gemini Rue nicht gerade aussieht, als wäre es von Crytek. Da das Spiel ein Independent Projekt ist, stand Produzent Joshua Nuernberger kein so riesiges Budget zur Verfügung. Als Ausgleich sieht das Spiel aus als, naja, als wäre es 20 Jahre alt. Das meine ich aber nicht negativ. Die Optik erinnert sicher nicht ohne Grund stark an klassische Adventures wie Beneath a Steel Sky oder Indiana Jones and the Fate of Atlantis.
Man könnte jetzt natürlich böse sein, und ihm vorwerfen, er versuche damit nur die Nostalgie der Spieler zu wecken, um ein paar Sympathiepunkte zu sammeln. Aber das wäre Quatsch.
Tatsache ist, Geminie Rue sieht klasse aus. Adventures sind in 2D sowieso immer besser als in 3D. Und irgendwie passt diese Pixeloptik wirklich gut zu dem Spiel. Okay, das sich viele Flure und Gänge ähneln ist vielleicht weniger schön, aber es unterstreicht auch die triste Atmosphäre des Spiels.
Allerdings hat die triste, verpixelte Optik den Nachteil, dass ihr nicht immer seht, was eigentlich gerade wichtig ist. So musste ich einmal online nach einer Lösung suchen, nur um zu erfahren, dass direkt vor mir eine Glasscherbe auf dem Boden lag.
Die wichtigen Charaktere werden in Dialogen alle durch kleine Fenster repräsentiert, allerdings gibt es keine verschiedenen Gesichtsausdrücke. Somit bleiben die Emotionen allein den Sprechern überlassen.
Die alte Leier
Die Lokalisierung ist überraschenderweise der Punkt an dem Gemini Rue am meisten einstecken musste. Die deutsche Synchronisation ist gut, aber das englische Original - welches ebenfalls auf der Disc enthalten ist - ist einfach besser.
Der Soundtrack, der übrigens als Bonus mitgeliefert wird, leistet großartige Arbeit die Atmosphäre des Spiels zu unterstreichen. Melancholische Jazz-Einlagen wechseln sich mit intensiveren, aber selten übertriebenen Actiontracks ab. Ein Soundtrack, den ich mir auch gerne außerhalb des Spiels anhöre.
PRO & CONTRA
- spannende Geschichte
- Sci-Fi Noir Setting
- Retro-Grafik
- toller Soundtrack
- Budget-Preis
- deutsche Sprecher könnten besser sein
- etwas träge
Die Reise wert
Vor Kurzem hat sich mal jemand beschwert, dass Spielkritiken heutzutage nur simple “Tests” sind, die dem Medium heutzutage nicht mehr gerecht werden. Dass man ein Spiel nicht einfach nur anhand eines Durchschnittwerts aus Grafik, Gameplay und sonstigen Kriterien bewerten kann, sondern nur daran, was es sagt und was es bedeutet. Kann ich so etwas über Gemini Rue sagen? Vielleicht nicht was für einen Eindruck das Spiel auf Kunst und Kultur macht, aber mit Blick auf das Medium Videospiele lassen sich manche Sachen nicht übersehen. Gemini Rue zeigt vor allem zwei Dinge: Dass man keine High End superduper Unrealcryengine 4.0 braucht um eine spannende Geschichte zu erzählen. Und, dass das Adventure Genre noch lange nicht tot ist.Sicher hat es einige Macken. Es spielt sich etwas träge, die Lokalisierung könnte besser sein und so schön die Retro-Optik auch ist - nach einer Weile wird es dann doch anstrengend.
Aber alles funktioniert! Hättet ihr mir vor 3 Woche gesagt, dass ein Point & Click-Adventure von fucking Cover Based Shooting profitieren würde, hätte es Kopfnüsse gehagelt.
Gemini Rue ist vielleicht nicht ganz ein Meisterwerk im Kaliber eines A New Beginning, aber es ist ein spannendes Adventure mit tollem Setting, dass sich Fans des Genres und solche, die es werden wollen, auf keinen Fall entgehen lassen dürfen.
Außerdem kostet es nur schlappe 20 Euro. Kaufen!
geschrieben von Green Ninja




